Gefährliche Hitze – ist Mannheim gewappnet?
Sommer, Sonne, Hitzestress
Mannheim scheint in den Sommermonaten regelrecht zu kochen. Kein Wunder: Wir leben offiziell in einer der heißesten Städte Deutschlands.
Der Sommer 2026 scheint in vielerlei Hinsicht ein Sommer der Extreme zu sein. Bereits im Juni mussten aufgrund von Rekordtemperaturen Veranstaltungen abgesagt oder verschoben werden. Viele Geschäfte schlossen aufgrund der Hitze bereits zur Mittagszeit, während manche Restaurants erst später als sonst öffneten. Die Hitze sorgte außerdem für überfüllte Notaufnahmen, da viele mit Menschen erheblichen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatten. In Köln mussten Menschen aus einer völlig überhitzten Dachgeschosswohnung vom Rettungsdienst evakuiert werden. In einer Kita in Groß-Rohrheim haben diesen Sommer drei Kinder einen Hitzschlag erlitten. In sämtlichen Schulen sorgte die Hitze für eine Gefährdung der Gesundheit und des Arbeitsschutzes, sowohl bei Lehrern als auch bei Schülern. Das RKI meldete fast 12.000 Hitzetote im Sommer 2026 (Stand: Juli 2026).
Aufgrund dieser besorgniserregenden Zustände stellt sich die Frage: Sind wir gegen hohe Temperaturen gewappnet und wie werden wir in Zukunft mit Hitzewellen umgehen?
Naturereignis
Doch wie entsteht Hitze überhaupt? Und was hat es mit dem sog. Heat Dome auf sich?
Die Sommerhitze entsteht durch eine Mischung aus langen Tagen, wolkenlosen Hochdruckgebieten und dem Stand der Sonne. Da die Sonnenstrahlen steil auf die Erde treffen, erwärmen sie den Boden, welcher wiederum die Luft erwärmt.
Ein Heat Dome (oder auch Hitzekuppel/Hitzeglocke) ist ein Hochdruckgebiet, in dem heiße Luft wie ein Deckel auf einer Region liegt und diese Luft dort regelrecht gefangen gehalten wird. Durch den Hochdruck können keine Wolken entstehen und somit kann die Sonne den Erdboden ungehindert aufheizen. Zeitgleich lässt der Druck die Luftmassen absinken, was wiederum die Luft erwärmt und für eine Verstärkung der Hitze sorgt. Ein Heat Dome kann über Tage oder sogar Wochen bestehen.
Mannheim
Doch wie kommt es, dass es ausgerechnet in Mannheim so heiß ist? Laut Luisa Serafimov vom Fachbereich Klima, Natur, Umwelt (Koordination Hitzeaktionsplan) der Stadt Mannheim liegt das vor allem an der geografischen Lage. Mannheim liegt im Oberrheingraben – dieser erstreckt sich vom südlichen Frankfurt bis Basel, eingerahmt vom Schwarzwald und Odenwald im Osten sowie dem Pfälzerwald und den Vogesen im Westen. Charakteristisch für diese Lage sind einerseits milde, aber nasse Winter und sehr trockene und heiße Sommer. Das Besondere an Mannheim ist außerdem die Bebauungsstruktur. Vor allem in den Quadraten sind die Flächen hochversiegelt und begünstigen ein warmes Stadtklima. Des Weiteren sind die Quadrate eng bebaut und haben im Vergleich zu anderen Stadtteilen wenig Grünflächen. Besonders warm ist auch in den angrenzenden Stadtteilen wie der Neckarstadt-West, Jungbusch und der Schwetzingerstadt.
Die Stadt ist sich der Problematik bewusst und arbeitet bereits an Lösungen. 2019 wurde das erste Klimaanpassungskonzept veröffentlicht – Teil davon war der Hitzeaktionsplan (HAP).
Hitzeaktionsplan 2.0
Im Juli 2026 wurde dann eine zweite Version des HAP verabschiedet – der Hitzeaktionsplan 2.0. Sein Ziel ist es, sowohl Gesundheit als auch Lebensqualität der Bevölkerung während der Sommermonate zu schützen. Weitere Projekte des Hitzeaktionsplans sind Infoveranstaltungen, Stadtteilführungen, die Kühle-Orte-Karte, eine Trinkbrunnen-Karte u.v.m.
Dieser Plan hat letztendlich die Funktion, die Bevölkerung für Hitzegefahren zu sensibilisieren. Das o.g. Klimaanpassungskonzept befasst sich hingegen mit baulichen Maßnahmen.
Ausführliche Informationen zum Thema Hitzeschutz der Stadt Mannheim findet ihr hier.
PS: Falls ihr noch kühle Orte in Mannheim kennt, die öffentlich zugänglich und kostenlos sind (und noch nicht auf der Karte vermerkt sind), freut sich das Fachreferat über einen entsprechenden Hinweis per Mail!
Eine weitere Maßnahme, die Stadt vor übermäßiger Hitze zu schützen, wird mit dem Entsiegelungskonzept adressiert. Das heißt, es werden Potentialflächen ermittelt, die zur Entsiegelung geeignet sind. Dieser Plan ist online einsehbar und die Bürger können sich an dem Projekt ebenfalls über das Onlineportal beteiligen, wenn sie selbst geeignete Flächen entdecken und diese melden möchten. Das wird dann von der Verwaltung überprüft und ggf. in die engere Auswahl genommen. Aber der Handlungsspielraum in Sachen Entsiegelung ist auch begrenzt. In der Innenstadt sind ca. 80-90% der Ladenflächen und des Wohnraums in privater Hand. Daher gibt es keine Handhabe, man ist von privaten Akteuren abhängig.
An diesem Punkt setzt die Klimaschutzagentur an. Sie bieten sowohl für Privatpersonen als auch Unternehmen kostenlose Beratung zu Fassaden- und Dachbegrünungen an.
Über die Klimaschutzagentur habe ich vor ein paar Jahren bereits berichtet – den Artikel findet ihr hier.
Die Dringlichkeit des Hitzethemas ist der Stadt also durchaus bekannt. In der Verwaltung gibt es außerdem seit Juli 2026 den sog. Hitzestab. Verschiedene Akteure, z.B. die Feuerwehr und der Katastrophenschutz, das Gesundheitsamt und der städtische Fachbereich Klima, Natur und Umwelt kommen aktuell wöchentlich zusammen, um die Lage zu besprechen.
Und wie soll es zukünftig weitergehen? Wie verhält es sich mit sommerlichen Veranstaltungen wie Stadtteilfesten, Festivals, Konzerten, dem Firmen- oder Frauenlauf, etc.? Darauf hat die Stadt laut Luisa Serafimov nur begrenzt Einfluss. Wie so oft liegt es an den verschiedenen Zuständigkeiten – man kann zwar an die Veranstalter appellieren und z.B. zur Diskussion stellen, ob gerade sportliche Veranstaltungen im Hochsommer stattfinden müssen, letztendlich ist das aber die Entscheidung der Veranstalter. Natürlich sind Absagen auch mit finanziellen Einbußen verbunden – jedoch sollten sich die Veranstalter fragen, ob sie im Zweifelsfall dann auch bereit sind, die Konsequenzen und Verantwortung bei etwaigen Hitzeschäden zu übernehmen.
Klimapolitik
Mit dem Thema Klimapolitik befasst sich auch Dr. Max Jungmann. Er ist Gründer und CEO von Momentum Novum (Strategieberatung), FALK Momentum (Joint Venture) sowie Geschäftsführer des Heidelberg Center for the Environment (HCE) an der Universität Heidelberg. Sein Unternehmen hat das Ziel, andere Unternehmen dabei zu unterstützen, fit für die Zukunft zu werden. Das HCE wiederum ist ein interdisziplinäres Forschungszentrum, das Umweltherausforderungen fächerübergreifend beforscht.
Die drängendste Aufgabe im Rahmen des Hitzeschutzes in Mannheim sieht Jungmann in dem Schutz der vulnerablen Gruppen. Dazu gehören ältere Menschen, Schwangere, vorerkrankte und chronisch kranke Menschen, Frauen und Säuglinge/Kinder. Vor allem Letztere werden oft übersehen. Ein großes Problem sind vor allem die tropischen Nächte, denn der Körper bekommt bei nächtlichen Temperaturen über 20 Grad keine Erholung.
Das ist auch wissenschaftlich belegt. Laut einer Studie, die im Fachmagazin One Earth veröffentlicht wurde, verloren die Menschen zwischen 2020 und 2025 im Schnitt 56 Stunden Schlaf pro Jahr – geschuldet den tropischen Nächten. Einer wissenschaftlichen Studie des Helmholtz Munich zufolge steigt außerdem das Schlaganfallrisiko bei Frauen und älteren Menschen nach tropischen Nächten um 7% an.
Doch wie kann man die Stadt hitzesicherer machen? Das hängt laut Jungmann vor allem vom Budget ab. Wichtig seien vor allem Warnsysteme. Die gäbe es zwar schon, allerdings sind sie auf andere Wetterereignisse wie z.B. eine Flut besser trainiert als auf hitzebedingte Ausnahmefälle. Wichtig sei auch die Etablierung von öffentlichen, kühleren Orten – in Südkorea, sowie inzwischen auch in vielen anderen Ländern, gibt es während Hitzewellen sog. Cooling Center. Das sind meist klimatisierte und frei zugängliche Örtlichkeiten, bei denen die Bevölkerung Zuflucht suchen kann, um sich vom Hitzestress zu erholen. Zudem müsse man laut Jungmann die Infrastruktur entsprechend anpassen, d.h. mehr beschatten und begrünen. Zur Lösung können auch sog. Schwammstädte beitragen. Das ist ein Stadtplanungskonzept, bei dem das Regenwasser nicht, wie üblich, in die Kanalisation geleitet wird. Stattdessen wird das Wasser wie bei einem Schwamm vor Ort aufgenommen, gespeichert und später durch Verdunstung und Versickerung wieder abgegeben. Dies dient neben dem Hochwasserschutz auch der Kühlung der Stadt bei Hitze. Prominente Beispiele für Schwammstädte sind das ÖkQuartier im bayerischen Pfaffenhofen an der Ilm, die Rummelsburger Bucht in Berlin und auch die Heidelberger Bahnstadt. Laut Jungmann werde man langfristig auch nicht um Klimaanlagen herumkommen, auch wenn diese die Umwelt zusätzlich belasten.
Sonderlich überrascht ist Jungmann von den diesjährigen Hitzewellen nicht. Dieses Jahr gab es einen besonders starken El-Niño-Effekt, der bereits vor ein paar Monaten ersichtlich war. Erstaunt hat ihn aber doch, wie häufig die Temperaturen über 40 Grad gestiegen sind.
Bei der Bundespolitik hat das Thema Hitzeschutz laut Jungmann übrigens keine hohe Priorität. Das Geld des Transformationsfonds sei nicht primär in den Klimaschutz geflossen, sondern eher ins Verteidigungsbudget und Konjunkturmaßnahmen. Außerdem wurden Haushaltslöcher damit gestopft. Nachhaltigkeit wird da nicht konsequent mitgedacht.
Haben die Sommermonate das Potential, das Land in gesellschaftlicher und klimapolitischer Hinsicht langfristig zu verändern?
Laut Jungmann könne die Entwicklung in unterschiedliche Richtungen gehen. Zum einen könnten sich Konflikte verstärken, die vor allem der Klimaungerechtigkeit geschuldet seien. In der Regel leiden darunter vor allem ärmere Menschen und nicht etwa der Verursacher. Sozial schwächere Menschen haben zudem wenig Ausweichmöglichkeiten und wohnen zumeist an besonders heißen Orten. Das kann die Frustration und auch die Konfliktbereitschaft erhöhen.
Gleichzeitig gibt es aber auch das Szenario, dass der Klimaschutz wieder stärker ins Bewusstsein rückt und das Thema wieder mehr Aufmerksamkeit erzielt.
Die Entwicklung ist jetzt aber noch gar nicht absehbar.
Wichtig: In Demokratien sind die Bürger nicht hilflos ausgeliefert, sie können z.B. anhand von Wahlen mitreden und das Land mitgestalten. Ansonsten kann man sich ehrenamtlich für die Gesellschaft oder Politik engagieren, NGOs unterstützen und auch am Arbeitsplatz das Thema ansprechen.
„Die Politik reagiert darauf, was von der Gesellschaft gespiegelt wird.“
Im Alltag kann man versuchen, seinen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, achtsam mit sich selbst und der Umwelt umgehen. Das heißt z.B. auch mehr Fürsorge- und Hilfsbereitschaft für andere Menschen zu signalisieren.
Eines ist Jungmann besonders wichtig: Man solle nicht verzagen, sondern mit Mut und Zuversicht in die Zukunft blicken.
Digitale Schattenwege
Auch die Forschung geht in Sachen Klimaschutz neue und auch digitale Wege. Das transdisziplinäre Projekt “Hitzeanpassung für vulnerable Bevölkerungsgruppen” (HEAL) der Universität Heidelberg hat bspw. eine App entwickelt, um während Hitzeperioden vor allem die vulnerablen Gruppen zu schützen. Wie im Screenshot zu sehen ist, kann man in der App eine gewünschte Route angeben, und nachschauen, wie man möglichst im Schatten von A nach B kommt (hitzeangepasste Mobilität). Die Schattenrouten liegen in der Nähe von Parks, kühleren Straßen oder am Wasser. Grundlage hierfür sind Sensordaten und Klimaanalysekarten. Das Projekt wurde u.a. vom Land Baden-Württemberg gefördert.
Die HEAL-App findet ihr hier.
Verhaltenstipps und Maßnahmen
Zunächst ist es wichtig, sich der Hitze, wenn möglich, anzupassen. Das heißt, die pralle Mittagssonne vermeiden und sportliche Aktivitäten eher in die kühleren Morgen- oder Abendstunden legen. Ebenso sollte man am frühen Morgen und späten Abend lüften und tagsüber in der Wohnung/Haus für Beschattung sorgen. Auch luftige Kleidung (z.B. aus Leinen oder Baumwolle) in hellen Farben empfiehlt sich an heißen Tagen. Ein Besuch am See oder Freibad kann bei der Abkühlung helfen.
Hilfreich ist auch der sog. Hitzewarner. Der Aufkleber verfärbt sich bei einer Raumtemperatur von 28 Grad. Hilfreich sind auch regelmäßige Ruhepausen, um den Körper zu entlasten. Auch Sonnenschutz ist bei hoher UV-Strahlung unabdingbar. Neben Sonnencreme helfen außerdem Hüte und Caps. Ventilatoren sorgen für Luftzirkulation und wie immer gilt:
Trinken, trinken, trinken!
Ernährung
Ein wichtiger Punkt ist auch die Ernährung. Man sollte am besten leichte Kost zu sich nehmen, denn schwere Gerichte liegen im Magen und belasten den Kreislauf durch langwierige Verdauungsprozesse. Vor allem leichte Proteine wie Geflügel, Fisch, Tofu, Hülsenfrüchte und Milchprodukte bringen einen gut durch den Tag. Auch die mediterrane Küche und leichte Salate eignen sich gut, ebenso kühle Suppen wie Gazpacho oder eine Gurkenkaltschale. Kalte Gerichte haben außerdem den Vorteil, dass sich der Wohnraum durch die Backofen- oder Herdnutzung nicht noch weiter aufheizt.
Wasserreiches Obst und Gemüse sind ebenfalls zu empfehlen. Wassermelone, Gurke, Zucchini und Tomaten hydrieren den Körper und haben wenig Kalorien. An heißen Tagen sind sie echt Gamechanger.
Doch Vorsicht: Manche Menschen bekommen durch zu viel Rohkost und kohlesäurehaltige Getränke im Sommer einen schmerzhaften Blähbauch. Ungesüßte Tees stillen ebenfalls den Durst und leichte Spaziergänge können helfen, die Luft im Bauch wieder loszuwerden. Außerdem ist es hilfreich, die Mahlzeiten aufzuteilen und statt drei großen lieber fünf kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen.
Vermeiden sollte man neben fettigen und schweren Speisen außerdem eiskalte Getränke. Sie können zu Magenbeschwerden führen und den Kreislauf belasten, da sie erst wieder auf Körpertemperatur erwärmt werden müssen. Auch zuckerhaltige Getränke wie Limonaden stillen den Durst nur bedingt und haben unnötige Kalorien. Um den Elektrolyte-Haushalt stabil zu halten (durch Schwitzen verliert der Körper Mineralstoffe), eignen sich leicht gesalzene Mahlzeiten, isotonische Getränke, Gemüsebrühe oder Elektrolyte-Pulver zum Auflösen aus dem Drogeriemarkt oder der Apotheke.
Menschen mit Autoimmunerkrankungen, vor allem chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CEDs) wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, sollten besonders auf sich und die Ernährung Acht geben. Ein hitzegestresster Körper kann leichter in einen akuten Schub kommen, daher sollte vor allem diese Patientengruppe besonders sorgsam sein.
Sommer mit Nebenwirkungen
Auch wenn die Hitze vor allem Gefahren für die vulnerablen Gruppen birgt, sollte sich auch junge und fitte Menschen nicht überschätzen, bzw. die Hitze unterschätzen.
Neben Kreislaufkollaps, Dehydration, Sonnenstich und Hitzschlag kann auch das Auto zur tödlichen Falle werden. Es heizt sich in kurzer Zeit sehr schnell auf, es besteht Lebensgefahr. Daher darf man weder Mensch noch Tier im Auto zurücklassen, auch wenn man nur kurz etwas erledigen will. Auch das “Forgotten Baby Syndrome” spielt eine Rolle. Es ist ein psychologisches Phänomen, bei dem Eltern ihr Kind vor lauter Stress, Übermündung, Autopilot oder sonstigen Faktoren im Auto vergessen. Die Gefahr ist besonders groß, wenn das Kind schläft, da akustische Reize fehlen und den Autopiloten der Eltern nicht unterbrechen können. Bei Hitze ist dies natürlich besonders fatal.
Die Organisation “No Heat Stroke” empfiehlt, ein Stofftier des Kindes auf den Beifahrersitz zu legen oder wichtige Gegenstände wie Handy oder Handtasche neben dem Kind zu platzieren. In Italien sind Kindersitze mit Sensor Pflicht, die beim versehentlichen Zurücklassen des Kindes entsprechende Signale und auch einen Alarm auf das Handy senden.
Einer großen Gefahr sind außerdem Obdachlose ausgesetzt, die der Hitze oftmals schutzlos ausgeliefert sind. In vielen Städten gibt es sog. Hitze- oder Wärmebusse, die wohnungslose Menschen versorgen. In Mannheim gibt es solche Busse aktuell nicht. Das Thema steht laut Frau Serafimov zwar zur Diskussion, jedoch ist das Projekt aufgrund von Haushaltsschwierigkeiten aktuell nicht stemmbar. Dafür haben manche Obdachlosenunterkünfte, die primär zur Übernachtung gedacht sind, haben inzwischen auch ganztägig geöffnet. Auch die bereits erwähnten “Cooling Center” nach amerikanischem Vorbild könnten zukünftig in Europa flächendeckend Abhilfe schaffen. In Mannheim ist dafür ggf. der Rosengarten im Gespräch.
Medikamente, Psyche und die Hitze
Arzneimittel können im Sommer anders wirken. Durch die hohen Temperaturen können Blutkreislauf und Wasserhaushalt verändert werden, wodurch manche Wirkstoffe stärker oder schwächer aufgenommen werden als normalerweise. Vorsicht ist z.B. bei Blutdrucksenkern geboten. Bei Hitze weiten sich die Blutgefäße automatisch - kommen noch Medikamente dazu, kann der Blutdruck zu stark abfallen und evtl. Schwindel und Schwäche hervorrufen. Entwässerungsmittel verstärken noch zusätzlich den sommerlichen Flüssigkeitsverlust. Die Folge können Dehydrierung und Kreislaufprobleme sein.
Kritisch sind bei Hitze auch Psychopharmaka und neurologische Medikamente. Einige Präparate können die körpereigene Wärmeregulation stören und das Schwitzen drosseln, was wiederrum die Hitzebelastung für den Körper erhöht.
Daher kann es hilfreich sein, mit Haus- oder Facharzt über eine angepasste Dosierung zu sprechen.
Bitte niemals in Eigenregie die Dosis ändern oder Medikamente absetzen!
2012 sang die Künstlerin Lana Del Rey von der “Summertime Sadness” – und die gibt es wirklich. Es ist wissenschaftlich belegt, dass sich die Hitze auch auf die Psyche auswirken kann. Belastbarkeit und Resilienz sinken, gleichzeitig steigt das Risiko für Erschöpfung, Gereiztheit, sowie Angst und depressive Verstimmungen. Dafür gibt es verschiedene Ursachen. Zum einen verhindern tropischen Nächte einen erholsamen Schlaf und Regeneration, was in Schlafmangel und damit einhergehender Reizbarkeit enden kann. Die Hitze stört außerdem die Konzentration und kann auch den Haushalt wichtiger Botenstoffe (wie Serotonin oder Dopamin) durcheinander bringen. Entscheidungsfindungen können ebenfalls schwerer fallen als sonst.
Es ist auch kein Zufall, dass an extrem heißen Tagen die Einweisungen in psychiatrische Krankenhäuser oder die Zahlen für psychische Krisen zunehmen.
Vierbeiner im Stress
Auch unseren tierischen Gefährten macht die Hitze zu schaffen. Hunde und Katzen können bspw. nicht schwitzen und regulieren die Körpertemperatur über Hecheln. Wie der Mensch können sie einen Sonnenbrand (vor allem an den Ohren und Nase), einen Hitzschlag und Dehydrierung erleiden. Es ist wichtig, kühle Rückzugsorte zu ermöglichen und am besten auch mehrere Wassernäpfe bereit zu stellen. Mit Hunden sollte man am besten früh morgens und spätabends Gassi gehen, wenn der Asphalt noch nicht zu warm ist und die Pfötchen nicht verletzt werden.
Speziell für Hundehalter bieten die Johanniter Mannheim-Friedrichsfeld im Herbst übrigens einen Notfallkurs (“Erste Hilfe für Hund und Halter“) an. Dort wird es u.a. auch um hitzebedingte Notfälle gehen.
Weitere Informationen gibt es hier.
Hitzestress
Neben dem Menschen leidet auch die Natur. Rasen verbrennt bei massiver Sonneneinstrahlung und Bäume können durch die Hitze so gestresst werden, dass sie bereits im Hochsommer die Blätter abwerfen, um sich zu regulieren. Vor allem Stadtbäume sind gleich mit mehreren Stressfaktoren konfrontiert: Auto-Abgase, Hunde-Urin und versiegelte Böden sorgen für Schädigung, ebenso ein fester Boden und ein enges Wurzelkorsett. All das schwächt die Widerstandskraft der Bäume und Schädlinge haben so leichtes Spiel. Eine Langzeitstudie der Stadt München hat festgestellt, dass Bäume im Stadtgebiet seit 1984 immer kränker werden.
Betroffen ist auch die Landwirtschaft, denn der Hitzestress führt zu Ertragsverlust, da sowohl Nutztiere und Pflanzen betroffen sind.
Auch Wildtiere leiden massiv unter den hohen Temperaturen. Vor allem Vögel, Säuger und Insekten haben Schwierigkeiten, Wasserquellen zu finden. Der NABU Baden-Württemberg rät dazu, Vogeltränken auf dem Balkon oder im Garten aufzustellen. Am besten sollte das Wasser täglich gewechselt und das Behältnis mit heißem Wasser gereinigt werden, sodass sich keine Krankheitserreger bilden können. Der ideale Platz dafür ist außerhalb der Reichweite von Katzen und nicht in der Nähe von Nistplätzen.
Doch auch Tiere sind bis zu einem gewissen Grad imstande, sich an das Klima anzupassen und haben clevere Abkühlungsmöglichkeiten und Tricks entwickelt. Füchse, Hunde und sogar einige Vogelarten hecheln, um sich Abkühlung zu verschaffen – sie besitzen nämlich keine Schweißdrüsen. Viele Tiere halten außerdem eine Siesta ab, um sich zu erholen. Andere gehen baden oder bleiben im Schatten. Wildschweine und Rothirsche suhlen sich gerne in mit Wasser gefüllten Gruben. Die Schlammpackung wehrt lästige Insekten ab und die Haut wird vor Austrocknung geschützt. Hirsche baden an heißen Tagen gerne in tiefen Gewässern, während sich Rehe in den kühlen und schattigen Wald zurückziehen. Besonders verwegen ist das Kühlsystem von Störchen. Sie nutzen flüssigen Kot als Sonnenschutz, indem sie die Beine damit beschmieren. Der Feldhase wiederum hat eine körpereigene Klimaanlage und die Löffel dienen als Hitzeableiter.
Wasserknappheit
Durch anhaltende Hitze kann es auch zu Wasserknappheit kommen. In München war im Juli 2026 die Sorge vor einem Engpass so groß, dass die bayerische Landeshauptstadt eine Allgemeinverfügung zum Wasserverbrauch erließ. Diese galt nur für private Haushalte und untersagte bestimmte Formen der Wassernutzung, z.B. das Befüllen von privaten Pools, Badebecken und Bewässerung des Rasens. Hecken, Zierpflanzen und Beete durften nur zu bestimmten Uhrzeiten gegossen werden. Die Verordnung lief am 2. August aus.
In Mannheim hingegen sind solche Maßnahmen bisher nicht erforderlich. Der Grundwasserspiegel ist derzeit stabil und wird durch den Rhein und den Neckar ausreichend gespeist, erklärt Luisa Serafimov. Auch wenn es offiziell keine Knappheit oder Verbote gibt, so ist doch jeder Bürger angehalten, sorgsam und nachhaltig mit Wasser umzugehen, um Verschwendung zu vermeiden.
Fazit
Wir alle sind durch die Hitze herausgefordert. Sie belastet den Körper und auch den Geist – wir sind reizbarer, anfälliger für Krankheiten und leichter geschwächt. Kurz gesagt: Hitze kann krank machen.
Auch das gesellschaftliche Miteinander muss überdacht werden. Wie viele Events können zukünftig noch im Sommer stattfinden und wann sind Absagen oder Verlegungen sinnvoll? Sollte es gesetzliche Vergaben geben oder soll jeder Veranstalter nach eigenem Ermessen entscheiden und auch die Verantwortung tragen? Fakt ist: Die Hitze wird nicht weggehen, eher zunehmen. Vor allem die Politik ist dazu angehalten, effiziente, sichere und vor allem schnelle Lösungen und Schutzkonzepte zu entwickeln. Es darf nicht zur neuen Normalität werden, dass jährlich Tausende (ältere) Menschen an den Hitzefolgen sterben.
Man kann sich auch sehr heiße Länder wie Spanien oder Italien zum Vorbild nehmen. In der Mittagshitze steht die Siesta auf dem Programm, alle fahren zwischen 13 und 17 Uhr ein bisschen runter. Das Leben findet dort in den Sommermonaten am späten Abend statt, weil es tagsüber einfach zu heiß ist. Das heißt, Abendessen oder auch Spielplatzbesuche zu später Stunde sind keine Seltenheit.
Es ist nach wie vor wichtig, auf seine Mitmenschen zu achten. Wer auf der Straße auf verwirrte, orientierungslose oder offensichtlich erschöpfte Menschen trifft, sollte helfen. Wer im Sommer ein Kind oder ein Tier in einem Fahrzeug entdeckt, sollte unmittelbar die 112 wählen. Wenn Situationen brenzlig werden, hilft jederzeit der Rettungsdienst oder die Feuerwehr. Auch hier gilt: Im Zweifelsfall lieber einmal zu viel anrufen als zu wenig.
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